Dem Rätselmeister in die Karten geschaut

Schon neigt sich das diesjährige getDigital Osterrätsel dem Ende zu, dabei hat es für den Rätselmeister doch gerade erst angefangen. Bei diesem Meister handelt es sich um mich, René – mehr Rätsel als Meister. Eine Freundin hatte mich vor zwei Monaten darauf aufmerksam gemacht, dass man bei getDigital jemanden sucht, der sich um ein “nerdiges” Rätsel kümmern möchte. Klang nach einem interessanten Nebenjob bei einem sympathisch wirkenden Arbeitgeber. Zwei Annahmen die sich im Laufe der Zeit als Wahrheit herausstellen sollten.

Ostern war nicht mehr fern und ich urplötzlich ein Rätselmeister, der einen Berg an fordernden Fragen auf die Beine stellen muss. Da stellte sich zu Beginn durchaus eine leichte Überforderung ein sowie die Sorge, es nicht rechtzeitig zu schaffen. Insbesondere da ich doch schnell die Grenzen des eigenen Wissens und Verständnisses ergründete und immer noch zu wenig schwere Aufgaben im Repertoire hatte. Aber ich war ja nicht allein und bekam großartige Unterstützung durch die Kollegen, welche sich mit Begeisterung über das Maß der Pflicht hinaus beteiligten und eigene Rätselaufgaben beisteuerten. Die Programmierer, die mal eben einen Shoot ’em up für die Seite programmierten (Bei eurem nächsten Besuch der Shop-Seite, tippt doch mal arcadefeeling3000 in eure Tastatur) und mit einer entsprechenden Rätsel-Logik versehen, oder meine beiden Chefs die lange nach Feierabend noch am Telefon-Adventure bastelten  (Wer Zeit und Lust auf ein Piraten-Adventure hat, sollte es sich nicht entgehen lassen und 0431/22130244 anrufen). Ohne diese Arbeitsteilung und den persönliche Einsatz wäre der Umfang des Rätsels nicht zu realisieren gewesen. Daneben kam natürlich auch die ein oder andere Rätsel-Literatur zum Einsatz. Letztlich muss man seine Fähigkeiten einschätzen können und auch wenn ich einen Hang für die Naturwissenschaften hab, bin ich doch Geisteswissenschaftler. Was nicht bedeutet, dass blind kopiert wurde: Alle Rätsel haben ihren ganz eigenen Spin bekommen und wurden Nerd-Affin aufgepeppt. All dies sorgte dafür, dass sich in kürzester Zeit eine Menge Fragen anhäuften, wodurch genügend Zeit übrig war um ganz eigene zu erstellen. Diese füllten dann auch den schwersten letzten Teil des Rätsels. Mein Liebling hierbei ist natürlich GDOS. Angefüllt mit Referenzen zu verschiedensten Werken, die mich über die Jahre begeistert haben und dem Look&Feel meiner Jugend, hat es sich verselbständigt und im Laufe der Erstellung seine eigene Story entwickelt (Traut ihr euch den merge auszuführen? Dann stellt eure Fähigkeiten unter Beweis und hackt das GDOS). Es war eine wahre Freude zuzuschauen, wie ihr, die Rätselnden, euch da durchgewühlt, die wunderbarsten Annahmen aufgestellt, faszinierend zufällige Verbindungen aufgetan und die erdachte Welt des GDOS angenommen habt.

Das führt uns auch direkt zum zweiten, nicht weniger wichtigen Teil des Rätselmeister-Aufgabengebiets: die Betreuung der Rätselnden. Nachdem in einer letzten, anstrengenden Woche alle Aufgaben überarbeitet, eingearbeitet, überprüft, verbessert, nochmal getestet und am Ende als fertig erklärt wurden, ging es daran euch dabei zu zuschauen, wie ihr die Lösungen sucht und findet. Die größte Herausforderung war es, nicht zu viel oder zu wenig Hilfestellung zu bieten. Wollte ich doch genauso wenig die Freude am Rätseln, wie den Wettkampf um den ersten Platz kaputtmachen. Ich hoffe, ich konnte diese Gradwanderung meistern und habe euch gut unterstützt.

Trotzdem lässt sich eine gewisse diebische Freude nicht verleugnen, wenn ihr dann doch an einer Frage hängen geblieben seid. Schließlich hat man hart an den Fragen gearbeitet und freut sich, wenn nicht alles sofort gelöst wird. Darum geht es ja letztendlich auch, um den Spaß am Rätsel, um die Freude am Spiel und der geistigen Herausforderung. Meiner Meinung nach ist auch genau das der Grund, warum die getDigital-Rätsel überhaupt jedes Mal so umfangreich sind – weit umfangreicher als für ein Firmengewinnspiel vielleicht notwendig. Weil diejenigen, die das Rätsel erstellen, dran mitarbeiten oder einfach nur unterstützen, genauso viel Freude am Rätsel haben, wie die Rätselnden selbst. Jedenfalls ist das mein Eindruck, den ich nach den zwei Monaten  gewonnen hab. Einer der Gründe, warum nach dem Rätsel vor dem Rätsel ist. Advent scheint noch in weiter Ferne zu liegen, aber neue Ideen und Inspirationen sind längst vorhanden. Auch wenn der Rätselmeister zwischenzeitlich ein wenig an seiner Master Thesis arbeiten muss, wird bereits fleißig gemeinschaftlich am nächsten Rätsel gearbeitet. Seid gespannt.

In diesem Sinne interessiert uns auch eure Meinung. Wie hat euch das Rätsel gefallen, was fandet ihr gut, was nicht? Wir haben dazu eine kleine Umfrage erstellt und freuen uns über eure Meinungen. Alle Details kann die Umfrage natürlich nicht abdecken. Daher schreibt uns eure ausführliche Meinung in den Kommentaren. Erzählt an welcher Stelle wir nachbessern können, wovon ihr mehr oder weniger wollt und wie ihr euch durchs Rätsel gearbeitet habt. Eure Meinung ist uns wichtig, damit wir weiterhin großartige Rätsel auf die Beine stellen können, die euch Freude bereiten.

 

Tags: Osterrätsel, Osterrätsel 2016, Rätselmeister, Telefonadventure

René Raab

Rätselmeister bei getDigital. Hatte bei der ersten eigenen LAN Party keine Ahnung wozu man einen Terminator, geschweige den ein T-Stück braucht. Dafür aber schon immer eine Vorliebe für das Abseitige und Nerdige in der Welt. Hat mal was mit Computern gelernt, dann aber doch seine Berufung beim Was-mit Medien-studieren gefunden.

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  • Dee Solutio

    Hey René, eigentlich wollte ich schon viel früher ein Feedback schreiben, dann haben aber wieder Semester und Arbeit angefangen, und Rätseln rückte in den Hintergrund. Vor Jahren habe ich in meiner Heimat „intellektuelle“ Spiele gespielt (Analoges gibt es in Europa nicht wirklich), habe also schon mehrere Wochen des puren Rätselns hinter meinen Schultern, aber: so viel Spaß, wie bei dem Osterrätsel, hatte ich noch nie. Bravo und ein lautes Applaus! Zu den Verbesserungsvorschlägen: 1. Mehr richtige Antwortversionen „erlauben“, wenn Rundungsfehler im Spiel sind. Die Statistikaufgabe war ein Punkt, an dem ich lange verzweifelte, bis ich von einem wiss. Taschenrechner auf Wolfram gewechselt hatte. 2. Ambiguitäten abfischen. Bei dem Shop-Rätsel (16? 17?) war es manchmal ein Aha-Erlebnis, und manchmal haben mehrere Sachen gepasst (etwa: Heavy-Metal und Equalizer), und Aha-Erlebnisse sind so viel schöner. Zu der Home Alone-Frage hätten auch bestimmt Dutzende von Filmen gepasst. 3. Groß-/Kleinschreibungen, An-/Abwesenheit von „-“ und ähnliches abfischen. „Half-Life“ war so ein Beispiel. 4. Als Geisteswissenschaftler bin ich gegen Gamer-Fragen und für mehr Logik-Fragen, insofern ist es kein Verbesserungsvorschlag, sondern nur ein Wunsch. 5. Advent ist so kritisch wegen der Arbeitswoche, könnt ihr bitte-bitte aus dem Advent- einen Sylvester-/Präsylvester-/Post-Sylvester-/Post-Weihnachten-Rätsel machen? 6. Und falls jemand iiiirgendwann auf die Idee kommt, einen Getdigitalrätsel-Summercamp zu machen, so richtig, mit Mannschaften und an einem gemeinsamen Ort, wäre ich samt aller verfügbarer Ressourcen dabei. 7. Telefon-Rätsel muss weniger nuscheln! Bitte, denkt dran, dass auch Ausländer miträtseln!
    Ansonsten: die Half-Life- und Gothic-Fragen fand ich am besten, das waren echte Logik-Assoziation-Perlen! Hut ab – und ein bisschen Neid, dass ich so etwas nicht kann.
    Und zu guter Letzt: es war auch lehrreich, davor hatte ich absolut keine Ahnung von Statistik (bei uns macht man sie in der Schule nicht) und Verschlüsselungsmethoden. Die „Ubik“-Momente im GDOS haben mein PKDickheads Herz sehr, sehr gefreut. Eine Freundin, die kein Deutsch kann und 300 µg Hofmanns Medizin im System hatte, hat auf Anhieb eine Filmfrage beantwortet, was weder Lob, noch Kritik, sondern einfach eine mir interessant erscheinende Beobachtung ist. ;)

    Danke für die tolle Zeit!

    • Dee Solutio

      P.S. ad 5: Den Advent-Rätsel am ersten Tag des 33C3 starten (und zusehen, was passiert…) !